{"id":1600,"date":"2016-05-02T21:13:24","date_gmt":"2016-05-02T19:13:24","guid":{"rendered":"http:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=1600"},"modified":"2017-02-05T10:40:02","modified_gmt":"2017-02-05T08:40:02","slug":"die-unterscheidung-der-geister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=1600","title":{"rendered":"Die Unterscheidung der Geister"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Gerne erinnere ich mich an die ignatianischen Exerzitien, die ich bei Sr. Roswitha Bach oder bei P. Vitus Seibel gemacht habe. Die Klarheit des ignatianischen Weges tut auch einem Benediktinerm\u00f6nch gut. Seit jeher hat mich dabei die &#8222;Unterscheidung der Geister&#8220; interessiert, auf die Ignatius in den Exerzitien immer wieder zu sprechen kommt. Ich habe die Schriften der alten M\u00f6nche studiert und darin die &#8222;diakrisis&#8220; als die wichtigste Gabe des geistlichen Begleiters gesehen. Geistlich begleiten kann nur der, der diese Gabe des Heiligen Geistes empfangen hat.<br \/>\n<span class=\"einruecken\">Die M\u00f6nche unterscheiden dreierlei Gedanken: Gedanken, die von Gott kommen, die von den D\u00e4monen kommen und die aus mir selbst kommen. Woher die Gedanken kommen, das erkenne ich an der Wirkung. <b>Die Gedanken, die von Gott kommen, erzeugen Frieden, Freiheit, Lebendigkeit und Liebe. Gedanken, die von den D\u00e4monen kommen, erzeugen Unruhe, Angst und Enge. Und Gedanken, die aus mir selbst kommen, f\u00fchren in die Oberfl\u00e4chlichkeit, Zerstreuung und Unverbindlichkeit.<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"einruecken\">F\u00fcr mich ist die Unterscheidung der Geister nicht nur in der geistlichen Begleitung anderer wichtig geworden, sondern vor allem im Umgang mit meinen eigenen Gedanken und Gef\u00fchlen. Wenn ich z.B. in einem Konflikt mit Mitbr\u00fcdern oder Mitarbeitern nicht wei\u00df, wie ich mich verhalten soll, dann lasse ich einfach die verschiedenen M\u00f6glichkeiten vor meinem inneren Auge ablaufen. Und ich schaue jeweils auf die Gef\u00fchle, die sie in mir hervorrufen. Dabei achte ich nicht nur auf die Gef\u00fchle, sondern auch auf meinen Leib. Verkrampfe ich mich bei dieser oder jener M\u00f6glichkeit oder f\u00fchle ich mich im Einklang mit meinem Leib?<\/span><\/p>\n<p><span class=\"einruecken\">Das Ziel der geistlichen Begleitung und der Gabe der Unterscheidung der Geister ist im fr\u00fchen M\u00f6nchtum die Kontemplation: das Einswerden mit Gott im Gebet. So ist f\u00fcr mich die Unterscheidung der Geister gerade auch beim Gebet wichtig. Wenn ich mich allein vor Gott hinsetze, sp\u00fcre ich in mich hinein: Herrscht Gott in mir oder sind es meine Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche, meine Emotionen als Reaktion auf die Probleme des Alltags, die mein Denken und F\u00fchlen bestimmen? Indem ich in mich hineinhorche, sp\u00fcre ich, worum es eigentlich geht. Und oft genug muss ich feststellen, dass ich zwar vor Gott sitze, dass Gott aber nicht im Mittelpunkt steht, sondern meine Bed\u00fcrfnisse und Probleme. Wenn ich das erkenne, dann versuch ich, Gott in mir Raum zu geben, mich mit allen Gedanken und Gef\u00fchlen Gott hinzuhalten, damit sein Geist alles Chaotische und Egozentrische in mir durchdringt und damit wirklich Gott in mir herrscht. Wenn Gott in mir herrscht, f\u00fchle ich mich frei und weit und erf\u00fcllt von Liebe und Frieden.&#8211; Anselm Gr\u00fcn (Willi Lambert &#8211; Von Ignatius inspiriert, S. 89)<\/p>\n<p><\/span><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerne erinnere ich mich an die ignatianischen Exerzitien, die ich bei Sr. Roswitha Bach oder bei P. Vitus Seibel gemacht habe. Die Klarheit des ignatianischen Weges tut auch einem Benediktinerm\u00f6nch gut. Seit jeher hat mich dabei die &#8222;Unterscheidung der Geister&#8220; interessiert, auf die Ignatius in den Exerzitien immer wieder zu sprechen kommt. 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