{"id":1785,"date":"2016-11-08T09:18:12","date_gmt":"2016-11-08T07:18:12","guid":{"rendered":"http:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=1785"},"modified":"2016-11-21T10:42:12","modified_gmt":"2016-11-21T08:42:12","slug":"der-wille-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=1785","title":{"rendered":"Der Wille Gottes"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Jedes Geschehnis ist ein Sakrament des Willens Gottes. Wie der Leib Christi in Brot und Wein verborgen ist, so ist der Wille Gottes in den allt\u00e4glichen Begebenheiten verborgen.<br \/>\n<span class=\"einruecken\">Alle historischen Ereignisse sind so heilig wie die Heilige Schrift, weil sie gleichfalls ein Ausdruck des Willens Gottes sind. Und die bescheidenste Begebenheit des Alltags ist ein Ausdruck des Willens Gottes und darum genauso wichtig wie das wichtigste historische Ereignis. Das Verpassen eines Zuges ist genauso wichtig wie das Verlieren der Schlacht von Waterloo.<br \/>\n<span class=\"einruecken\">Darum gibt es nichts Banales und nichts Unbedeutendes auf der Welt (\u00bbAlle Haare auf eurem Kopfe sind gez\u00e4hlt.\u00ab) Der unbedeutendste Zwischenfall kann die ganze Weltgeschichte ver\u00e4ndern. Ein fallender Dachziegel verursachte den Tod eines spanischen K\u00f6nigs, und der kleine Zeitungsjunge von heute kann morgen die Titelseiten aller Zeitungen der Welt f\u00fcllen. Auch andere noch so winzige Vorkommnisse haben irgendwie den Lauf der Welt beeinflusst, obwohl wir nie etwas davon geh\u00f6rt haben. Und genauso wichtig ist das Leben jedes einzelnen Menschen, auch wenn keine Zeitung je etwas \u00fcber ihn berichtet.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Unser t\u00e4gliches kleines Leben ist voller Wunder und Geheimnis. Es ist wie eine Weiterf\u00fchrung der verborgenen Jahre Jesu in Nazareth, die nie in den Evangelien beschrieben wurden.<\/span><\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Obwohl diese Jahre wie auch alle anderen unbekannten Taten Jesu nie aufgezeichnet wurden, haben sie darum doch nicht weniger Bedeutung.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Die Heilige Schrift ist nichts weiter als ein Fragment &#8211; erleuchtet vom Heiligen Geist &#8211; der Weltgeschichte, des Eingreifens Gottes in den Lauf der Welt. Alle Geschichte ist heilig, und heilig sind auch die Ereignisse unseres Privatlebens. Die Bibel, von der Genesis bis zur Apokalypse, ist nur ein beleuchteter Ausschnitt aller menschlichen Geschehnisse vom Anfang bis zum Ende der Welt, vom ersten Morgen bis zum letzten. Der Rest der Geschichte unserer Welt und auch anderer, vielleicht bewohnter Welten blieb im Dunkeln, ist ein unleserlicher Text. Darum ist der Wille Gottes aber nicht weniger gegenw\u00e4rtig in ihm.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Dieser Text der Weltgeschichte kann allerdings vom Menschen ver\u00e4ndert und verf\u00e4lscht werden, und das ist auch in reichlichem Ma\u00dfe geschehen, von der ersten S\u00fcnde an. Die Heilige Schrift ist auch die Geschichte des dauernd unterbrochenen Willens Gottes durch den Menschen. Gott hat beschlossen, Israel ins Gelobte Land zu f\u00fchren. Als das Volk sich auflehnt und nach \u00c4gypten zur\u00fcckkehren will, \u00e4ndert Gott seine Pl\u00e4ne und beschlie\u00dft, es auszurotten und f\u00fcr Moses ein neues Volk zu schaffen. Moses bittet Gott f\u00fcr das Volk Israel und bewirkt, dass Gott erneut Seine Meinung \u00e4ndert, er rottet es nicht aus, l\u00e4sst es aber auch nicht ins Gelobte Land gelangen, wie Er zuerst vorgehabt hatte. \u00bbIhr sollt nicht in das Land eingehen, das ich euch mit zum Schwur erhobener Hand versprochen habe.\u00ab<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Der Wille Gottes ist ein unheimlich kompliziertes Gewebe, das immer wieder durch den freien Willen des Menschen durchkreuzt wird, das aber darum doch nie rei\u00dft. Jeden Augenblick \u00e4ndert Gott Seinen Willen, je nachdem, wie sich die Umst\u00e4nde durch das Dazwischentreten des Menschen wandeln.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">In jedem einzelnen Fall beachtet Gott aber auch die unendlichen Wirkungen, die eine Ab\u00e4nderung Seines Willens f\u00fcr alle anderen F\u00e4lle und Umst\u00e4nde des Universums zur Folge haben k\u00f6nnte. Wenn ich um Regen f\u00fcr meine Ernte oder um Sch\u00f6nwetter f\u00fcr eine Verabredung bitte, denke ich nur an die Vorteile, die das Regnen oder Nichtregnen f\u00fcr mich hat. Gott denkt aber gleichzeitig an alle Wirkungen und Folgen der Wirkungen, die das Regnen oder Nichtregnen auf die ganze Welt hat. Der Wille Gottes ist die Koordinierung aller dieser Wirkungen, die Er mit unendlicher Weisheit und unendlicher Liebe kombiniert. Darum sollen wir mit Freuden alles annehmen, was geschieht, so widrig es im Augenblick auch sein mag, weil alles zu unserem besten geschieht, weil es uns zutr\u00e4glich.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Das einzige, was uns nicht zutr\u00e4glich ist, ist die S\u00fcnde. Allein die S\u00fcnde h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich von uns ab und nicht vom Willen Gottes. Der S\u00fcnde verwirrt den Willen Gottes, sie ist das einzige Gegens\u00e4tzliche zu ihm.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Aber alles, was nicht von unserem Willen abh\u00e4ngt, ist der Wille Gottes. Sogar die Wirkungen und Ergebnisse der S\u00fcnde sind Gottes Wille. Nur die S\u00fcnde selbst h\u00e4ngt von uns ab, die Wirkungen und Konsequenzen unserer S\u00fcnden und der S\u00fcnden anderer unterliegen dem Willen Gottes. Die innere Zustimmung eines Menschen, der auf einen anderen Menschen schie\u00dft, h\u00e4ngt von diesem Menschen selbst ab. Ob der Revolver aber geladen war und welchen Lauf die Kugel nimmt, ob sie trifft oder nicht und alle anderen Umst\u00e4nde, ist Sache Gottes. Darum sollen wir alles segnen, was geschieht, denn alles, sogar die Konsequenzen der S\u00fcnde, ist der Wille Gottes. Von uns h\u00e4ngt einzig und allein die Zustimmung zur S\u00fcnde ab. Manchmal wollen wir den Willen Gottes nicht erkennen, weil er verkleidet unter schrecklichen Aspekten auftritt. Die Juden wollten ihren K\u00f6nig nicht anerkennen, als er ihnen mit Dornen gekr\u00f6nt vorgef\u00fchrt wurde; da zogen sie lieber die Diktatur des Tiberius vor. \u00bbWir haben keinen anderen K\u00f6nig als den Kaiser.\u00ab (Der Kaiser w\u00fcrde sie sp\u00e4ter niederdr\u00fccken, w\u00e4hrend Christus ihr Befreier war.) Der Wille Gottes zeigt sich uns oft versteckt unter Misserfolg, Elend, Einsamkeit und Tod. Dann w\u00e4hlen wir lieber den Tiberius, den Vertreter der Macht, der Vergn\u00fcgungen, des Geldes und der Sinnlichkeit, der Grausamkeit und des Sieges. Dann rufen wir: \u00bbKreuzigt ihn, wir haben keinen anderen K\u00f6nig als den Kaiser.\u00ab<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Der Wille Gottes kann verkleidet als Krebs zu uns kommen, als Verkehrsunfall oder als Geheimpolizei eines totalit\u00e4ren Regimes, um uns eines Nachts zu verhaften. Und es ist schwer, ihn unter dieser Aufmachung zu erkennen und zu segnen. Aber alles, was wir Wirklichkeit nennen, ist die Fleischwerdung des Wortes Gottes, ist das Wollen Gottes. Alle Wirklichkeit ist heilig. Ein fl\u00fcchtiges Treffen auf der Stra\u00dfe, ein verpasster Zug oder ein rechtzeitig erreichtes Flugzeug, alles sind Verwirklichungen des Willens Gottes.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Gott ist nicht nur in den \u00e4u\u00dferen Zeichen der Sakramente gegenw\u00e4rtig, sondern in gewisser Form in allem Wein und in allem Weizen, in allem Wasser und in allem 0 1, in der ganzen Realit\u00e4t der Welt. In aller Wirklichkeit ist Gott verborgen, stumm und dem\u00fctig. Alle Wirklichkeit ist Sakrament.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Wir wissen nicht, was uns gut tut, darum d\u00fcrfen wir nichts wollen und nichts nicht wollen, sondern nur das annehmen, was Gott f\u00fcr uns will oder nicht will, weil nur Er wei\u00df, was uns not tut.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Wir sind umgeben von Ereignissen, die wir nicht verstehen, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie f\u00fchren, wie ein Blinder im Verkehrsgew\u00fchl. Wir sind wie ein Kind auf einem gro\u00dfen Flughafen voller Flugzeuge, die kommen und gehen. Wir k\u00f6nnen in keins von ihnen einsteigen, weil wir ihre Route nicht kennen. Wir kennen nicht einmal unser eigenes Ziel, wir k\u00f6nnen nur warten, bis jemand kommt und uns zeigt, in welches wir einsteigen m\u00fcssen. So kennen wir auch unser Schicksal nicht und wissen nicht, welche Ereignisse unseres Lebens gut und welche schlecht f\u00fcr uns sind Wir kennen unsere Zukunft nicht, und auch unsere Gegenwart und unsere Vergangenheit ist uns nur bruchst\u00fcckhaft bekannt.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Die S\u00fcnde ist der Glaube, wir w\u00fcssten besser als Gott, was gut f\u00fcr uns ist, die Annahme, Gott h\u00e4tte sich in dem einen oder anderen Fall in Bezug auf uns geirrt.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Gott wei\u00df, was uns zutr\u00e4glich ist, weil alles, was geschieht und noch geschehen wird, in seinem Geiste seit aller Ewigkeit schon geschehen ist, wie ein Foto, das schon vor einiger Zeit aufgenommen wurde und das wir nun beim Entwickeln des Films in der Dunkelkammer zum ersten Mal sehen. Oder wie ein Film, der seinerzeit gedreht wurde und den wir nun auf der Leinwand projiziert sehen. Oder wie das Licht eines Sterns, das vor Millionen von Jahren ausgesandt wurde, das aber erst jetzt auf unsere Netzhaut gelangt.<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Gott wei\u00df, dass Dinge, die heute schlecht f\u00fcr mich sind, morgen vielleicht gut f\u00fcr mich sein k\u00f6nnen. Und Gott kann heute etwas wollen, was Er sp\u00e4ter nicht mehr will. <b>Er kann hier etwas beabsichtigen, was Er an einem anderen Ort nicht will, oder mit mir etwas vorhaben, was Er mit einem anderen Menschen nicht vorhat.<\/b><\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">Als die Jungfrau von Orleans in ihrem Prozess gefragt wurde, ob Gott auch die Engl\u00e4nder liebe, antwortete sie:<\/span><br \/>\n<span class=\"einruecken\">\u00bbGott liebt die Engl\u00e4nder nicht in Frankreich.\u00ab Das ist das Mysterium unserer Berufung. Gott liebt auch einen Diktator von Nicaragua, aber Er liebt ihn nicht als Diktator von Nicaragua.<\/span><\/p>\n<p>&#8212; Ernesto Cardenal (Das Buch von der Liebe, S. 115)<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Geschehnis ist ein Sakrament des Willens Gottes. Wie der Leib Christi in Brot und Wein verborgen ist, so ist der Wille Gottes in den allt\u00e4glichen Begebenheiten verborgen. Alle historischen Ereignisse sind so heilig wie die Heilige Schrift, weil sie gleichfalls ein Ausdruck des Willens Gottes sind. 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