{"id":2155,"date":"2018-02-14T10:08:59","date_gmt":"2018-02-14T08:08:59","guid":{"rendered":"https:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=2155"},"modified":"2018-02-14T10:08:59","modified_gmt":"2018-02-14T08:08:59","slug":"dietrich-bonhoeffer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nitidelo.lima-city.de\/wp\/?p=2155","title":{"rendered":"Dietrich Bonhoeffer"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie f\u00fcr andere da ist.<\/p>\n<p>Das christliche Verh\u00e4ltnis zwischen dem Starken und dem Schwachen ist, da\u00df der Starke zu dem Schwachen aufsehen und niemals herunterschauen soll.<\/p>\n<p>Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.<\/p>\n<p>Daran entscheidet sich heute Gewaltiges, ob wir Christen Kraft genug haben, der Welt zu bezeugen, da\u00df wir keine Tr\u00e4umer und Wolkenwandler sind.<\/p>\n<p>Christentum bedeutet Entscheidung.<\/p>\n<p>Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerst\u00f6rer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es pers\u00f6nlich noch so ehrlich, noch so ernsthaft und hingebend meinte.<\/p>\n<p>Nicht von der Welt zu Gott, sondern von Gott zur Welt geht der Weg Jesu Christi und daher der Weg alles christlichen Denkens.<\/p>\n<p>Der Christ braucht den Christen, der ihm Gottes Wort sagt, er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewi\u00df und verzagt wird; denn aus sich selbst kann er sich nicht helfen, ohne sich um die Wahrheit zu betr\u00fcgen.<\/p>\n<p>Viele Menschen suchen ein Ohr, das ihnen zuh\u00f6rt, und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie h\u00f6ren sollten.<\/p>\n<p>Ein schwerer, verh\u00e4ngnisvoller Irrtum ist es, wenn man Religion mit Gef\u00fchlsduselei verwechselt. Religion ist Arbeit. Und vielleicht die schwerste und gewi\u00df die heiligste Arbeit, die ein Mensch tun kann.<\/p>\n<p>Mit Gott tritt man nicht auf der Stelle, sondern man beschreitet einen Weg.<\/p>\n<p>Wo der Verstand sich entr\u00fcstet, wo unsere Natur sich auflehnt, wo unsere Fr\u00f6mmigkeit sich \u00e4ngstlich fernh\u00e4lt, dort, gerade dort liebt es Gott zu sein.<\/p>\n<p>Der Mensch, der liebt, weil er durch die Wahrheit Gottes frei gemacht ist, ist der revolution\u00e4rste Mensch auf Erden.<\/p>\n<p>Nicht unserer Hoffnungen werden wir uns einstmals zu sch\u00e4men haben, sondern unserer \u00e4rmlichen und \u00e4ngstlichen Hoffnungslosigkeit, die Gott nichts zutraut, die in falscher Demut nicht zugreift, wo Gottes Verhei\u00dfungen gegeben sind.<\/p>\n<p>Von Gott nicht mehr loskommen k\u00f6nnen, das ist die dauernde Beunruhigung jedes christlichen Lebens.<\/p>\n<p>Mu\u00df es so sein, da\u00df das Christentum, das einstmals so ungeheuer revolution\u00e4r begonnen hat, nun f\u00fcr alle Zeiten konservativ ist?<\/p>\n<p>Nicht zur\u00fcck, aber auch nicht in un\u00fcbersehbare Fernen schaut der Mann, der den Pflug f\u00fchrt, sondern auf den n\u00e4chsten Schritt, den er tun mu\u00df; R\u00fcckblicke sind keine christliche Sache. La\u00df dahinten Angst, Kummer, Schuld. Du aber sieh auf den, der dir einen neuen Anfang gegeben hat.<\/p>\n<p>In die ersten Augenblicke des neuen Tages geh\u00f6ren nicht eigene Pl\u00e4ne und Sorgen, auch nicht der \u00dcbereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende N\u00e4he.<\/p>\n<p>Wer in der Liebe Gottes bleibt, geht nicht den vorgeschriebenen Weg der Vortrefflichkeit in der Welt, sondern eigene, unverst\u00e4ndliche, oft t\u00f6richte Wege.<\/p>\n<p>Wer wird Weihnachten recht feiern? Wer alle Gewalt, alle Ehre, alles Ansehen, alle Eitelkeit, allen Hochmut, alle Eigenwilligkeit endlich niederlegt an der Krippe.<\/p>\n<p>Der Weg zur H\u00f6lle ist mit guten Vors\u00e4tzen gepflastert\u00ab \u2013dieses Sprichwort, das sich in den verschiedensten L\u00e4ndern findet, entspringt nicht der frechen Weltklugheit eines Unverbesserlichen, sondern hier enth\u00fcllt sich tiefe christliche Einsicht. Wer an der Jahreswende nichts Besseres zu tun wei\u00df, als sich ein Register begangener Schlechtigkeiten anzulegen und den Beschlu\u00df zu fassen, von nun an \u2013 wie viele solche \u00bbvon nun an\u00ab hat es schon gegeben! \u2013 mit besseren Vors\u00e4tzenanzufangen, der steckt noch mitten im Heidentum. Er meint, der gute Vorsatz mache schon den neuen Anfang, d. h. er meint, er k\u00f6nne von sich aus einfach einen neuen Anfang machen, wann er es gerade wolle. Und das ist eine b\u00f6se T\u00e4uschung; einen neuen Anfang macht allein Gott mit dem Menschen, wenn es ihm gef\u00e4llt, aber nicht der Mensch mit Gott. Einen neuen Anfang kann der Mensch darum \u00fcberhaupt nicht machen, sondern er kann nur darum beten. Wo der Mensch bei sich selbst ist und aus sich heraus lebt, da ist immer nur das Alte, das Vergangene. Allein wo Gott ist, ist das Neue und derAnfang und Gott kann man nicht kommandieren, man kannum ihn nur beten. Aber beten kann der Mensch nur, wenn er begreift, da\u00df er etwas nicht kann, da\u00df er an seiner Grenze ist, da\u00df ein anderer anfangen mu\u00df.<\/p>\n<p>Es ist zuerst die Freiheit des Andern, die dem Christen eineLast ist. Sie geht gegen seine Selbstherrlichkeit und dochmu\u00df er sie anerkennen. Er k\u00f6nnte sich dieser Last entledigen,indem er den andern nicht freig\u00e4be, sondern vergewaltigte, ihmsein Bild aufpr\u00e4gte. L\u00e4\u00dft er aber Gott sein Bild an ihm schaffen,so l\u00e4\u00dft er ihm damit die Freiheit und tr\u00e4gt selbst die Last solcherFreiheit des andern Gesch\u00f6pfes. Zur Freiheit des Andern geh\u00f6rtall das, was wir unter Wesen, Eigenart, Veranlagung verstehen,geh\u00f6ren auch die Schw\u00e4chen und Wunderlichkeiten, die unsereGeduld so hart beanspruchen, geh\u00f6rt alles, was die F\u00fclle derReibungen, Gegens\u00e4tze und Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen mir unddem Andern hervorbringt. Die Last des Andern tragen hei\u00dfthier, die gesch\u00f6pfliche Wirklichkeit des Andern ertragen, siebejahen und in ihrem Erleiden zur Freude an ihr durchdringen.Besonders schwer wird das, wo Starke und Schwache im Glaubenin einer Gemeinschaft verbunden sind. Der Schwacherichte nicht den Starken, der Starke verachte nicht den Schwachen.Der Schwache h\u00fcte sich vor Hochmut, der Starke vorGleichg\u00fcltigkeit. Keiner suche sein eigenes Recht, f\u00e4llt derStarke, so bewahre der Schwache sein Herz vor Schadenfreude,f\u00e4llt der Schwache, so helfe ihm der Starke freundlich wiederauf. Einer braucht so viel Geduld wie der Andere.<\/p>\n<p>Christliche Liebe und Hilfe f\u00fcr die Schwachen bedeutet dieErniedrigung des Starken vor dem Schwachen, des Gesundenvor dem Leidenden, des M\u00e4chtigen vor dem Ausgebeuteten.Das christliche Verh\u00e4ltnis zwischen dem Starken und demSchwachen ist, da\u00df der Starke zu dem Schwachen aufsehen undniemals herunterschauen soll. Die Schwachheit ist heilig, deshalbergeben wir uns dem Schwachen. Schwachheit ist in denAugen Christi nicht das Unvollkommene gegen\u00fcber dem Vollkommenen,sondern eher ist St\u00e4rke das Unvollkommene undSchwachheit das Vollkommene. Nicht der Schwache hat demStarken zu dienen, sondern der Starke dem Schwachen \u2013 unddies nicht aus Wohlt\u00e4tigkeit, sondern aus F\u00fcrsorge und Ehrfurcht.Nicht der M\u00e4chtige hat recht, letztlich hat immer derSchwache recht. So bedeutet das Christentum eine Umwertungaller menschlichen Werte und die Errichtung einer neuen Ordnungder Werte im Angesicht Christi.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie f\u00fcr andere da ist. Das christliche Verh\u00e4ltnis zwischen dem Starken und dem Schwachen ist, da\u00df der Starke zu dem Schwachen aufsehen und niemals herunterschauen soll. Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. 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